Bezugssysteme

Die Bezugssysteme stellen Entscheidungshilfen für die Psyche bei der Wahl des richtigen Verhaltens dar. Das heißt, die Psyche "bezieht" sich bei ihren Verhaltens-Entscheidungen auf die Bezugssysteme. Häufig aber nicht immer werden beim Treffen einer Verhaltens-Entscheidung mehrere Bezugssysteme gegeneinander abgewogen. Der Verstand bildet zusammen mit der jeweils gerade aktiven Weltsicht ein rationales Bezugssystem. Rationale Entscheidungen basieren auf Ideen und Schlussfolgerungen.

Darüber hinaus gibt es noch mehrere emotionale Bezugssysteme. Emotionale Bezugssysteme basieren, wie der Name schon sagt, auf Gefühlen. Gefühle sind komplexe nicht-rationale Bewertungen, die eine ja-nein-Entscheidung beinhalten. (Bezogen auf ein einzelnes Bezugssystem ist die Sache immer klar. Die Schwierigkeiten entstehen durch mehrere sich widersprechende Bezugssysteme.) "Ja-Nein-Entscheidung" und "komplexe Bewertung" scheinen sich auf den ersten Blick zu widersprechen, aber Emotionen übermitteln eben sehr viel über das reine "Ja/Nein" hinaus, wodurch eine sinnvolle Abwägung mehrerer Bezugssysteme überhaupt erst möglich wird.

Nicht-rationale Bezugssysteme sind:

  1. Übereinstimmung des Verhaltens mit dem individuellen Aktivitätsdrang
  2. Übereinstimmung des Verhaltens mit den Gesetzmäßigkeiten der Realität
  3. Übereinstimmung des Verhaltens mit der Weltsicht
  4. Widerspruchsfreiheit der Weltsicht

Die Bezugssysteme 1 und 2 existieren unabhängig von der Entwicklung des rationalen Verstandes. Diese beiden Bezugssysteme stellen zwei entscheidende Wissenslücken der Wissenschaft dar. Das Bezugssystem 1 ist das, was den Menschen genau wie alle anderen Lebewesen antreibt. Beim Menschen verhindert aber der Verstand durch die Fehler seiner Weltsicht, dass das Verhalten diesem Antrieb ausreichend folgt. Das ist die zentrale Ursache nahezu aller individuellen und globalen Probleme des Menschen!

Das Bezugssystem 2 stellt eine direkte Verbindung der inneren Wahrnehmung zur Realität dar. So direkt und klar wie die Augen ein Haus oder einen Baum sehen können, nehmen die nicht-rationalen teile der Psyche Übereinstimmungen mit oder Verletzungen von Gesetzmäßigkeiten der Realität war und zwar vollkommen unabhängig davon, ob diese Gesetzmäßigkeiten in der Weltsicht des Verstandes (auf rationaler Ebene) bekannt sind oder nicht. Bevor die Wissenschaft diese Frage voreilig vom Tisch wischte, wurde unter Philosophen viel diskutiert, ob es Erkenntnis aus dem Inneren der Psyche heraus ohne Mitwirkung der äußeren Sinnesorgane gibt. Und genau das stellt Bezugssystem 2 dar. Die Informationen von Bezugssystem 2 werden im Zustand der rationalen Isolation nahezu gar nicht ausgewertet. Sie gehen in dem Gefühlschaos unter, das aus Sicht des Verstandes durch dessen Unwissenheit über inner-psychische Vorgänge entsteht.

Der Wissenschaft entgehen die Bezugssysteme 1 und 2 komplett. Im Gegenteil würde die Wissenschaft meine Behauptungen als "unwissenschaftlich" verneinen, obwohl sie der Schlüssel zur Lösung nahezu aller großen Menschheitsprobleme sind.

Die Bezugssysteme 3 und 4 erwachsen aus der Entwicklung des rationalen Verstandes. Grob gesagt ist das Problem, dass der Verstand im Zustand der rationalen Isolation die Bezugssysteme 1 und 2 zu wenig bei seinen Verhaltensentscheidungen berücksichtigt, während er die Bezugssysteme 3 und 4 überbewertet.

Die Trennung des Verstandes von den Bezugssystemen 1 und 2 erscheint im Kontext der Religion als Sündenfall. Der Mensch verliert dadurch seine Orientierung in der Realität, was im Kontext der Religion wiederum als "Verbindung zu Gott" erscheint.

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