2. Das erweiterte Evolutionsprinzip bezogen auf den Menschen

Die folgende Darstellung des Evolutionsprinzips erweitert die vorhergehende um 2 Punkte:

  1. Der rationale Verstand kommt als weitere beeinflussende Komponente hinzu.
  2. Der Einfluss des Verhaltens beschränkt sich nicht nur auf den Körper, sondern umfasst die gesamte mit dem Verhalten erreichbare materielle Umwelt des Menschen.

Grundlage dieser Darstelleung ist das Ich-Welt-Modell:

Das Ich nimmt die Welt wahr und formt sich aus dieser Wahrnehmung eine Weltsicht, die es einsetzt, um Entcheidungen über das Verhalten zu treffen. Die Weltsicht ist, was das Ich denkt, wie die Welt ist.

Der Weltsicht steht die Realität gegenüber: Die Realität ist, wie die Welt unabhängig von den Annahmen des Ich wirklich ist.

Zwischen Weltsicht und Realität gibt es Abweichungen. Die Weltsicht stimmt teilweise mit der Realität überein und teilweise tut sie das nicht.

Wenn das Ich ein bestimmtes Verhalten einsetzt, dann liegt diesem Verhalten (bzw. der Entscheidung über dieses Verhalten) immer auch ein bestimmter Teilbereich der Weltsicht zugrunde.

Wenn Weltsicht und Realität nicht oder nur teilweise übereinstimmen, dann wird nur ein Teil der Energie des Ich in Wirkung umgesetzt. Aber was geschieht mit dem anderen Teil, der ja laut Energieerhaltungssatz nicht verschwinden kann?

Nun kommt das eigentliche Evolutionsprinzip:

Das Ich wirkt mit seinem Verhalten immer auf einen bestimmten Teilbereich seiner Umwelt ein. Mit diesem Verhalten wird gleichzeitig der Teil der Weltsicht, welcher der Verhaltensentscheidung zugrunde liegt, auf den betroffenen Teil der umgebenden Welt "draufprojiziert". Wenn Weltsicht und Realität nicht übereinstimmen, dann bewirkt das eine Verschiebung oder auch Verzerrung des Verhaltens der Welt in Richtung der Weltsicht des Ich. Das heißt, die Welt nähert sich mit ihrem Verhalten in winzig kleinen Schritten der Weltsicht des Ich an.

Das ist gut, wenn die Weltsicht des Ich näher an seinen Interessen liegt als die Realität (positive Ausprägung des Evolutionsprinzips). Und das ist aber schlecht, wenn die Weltsicht von den Interessen des Ich weiter entfernt ist als die Realität. Dann kommt es nämlich zu einer für das Ich negativen Verzerrung des Verhaltens der Welt (negative Ausprägung des Evolutionsprinzips).

Ein Beispiel für die negative Ausprägung des Evolutionsprinzips ist die Ernährungswissenschaft:

Die Ernährungswissenschaft markiert viele Nahrungsmittel als "schlecht", welche der Appetit des Menschen eigentlich möchte. In der Folge kommt es zu einem Konflikt zwischen Appetit und rational gesteuerter Ernährung. Die rationale Steuerung versucht Appetit-gesteuerte Nahrungsaufnahme zu verhindern. Das ist ein Verhalten, welchem die Idee zugrunde liegt: "Nahrungsmittel XY ist schlecht für dich." Der Körper nähert sich mit seinem Verhalten diesem Teil der Weltsicht an. Die Folge sind die zahlreichen, zunehmenden Nahrungsmittelunverträglichkeiten, welche eine negative Ausprägung des Evolutionsprinzips darstellen. Mit vielen dieser Nahrungsmittelunverträglichkeiten verliert der Mensch Verdauungsfähigkeiten, die er zuvor im Rahmen der Evolution erworben hatte. Ein Beispiel ist die Übwerwindung von Laktose-Intoleranz. Und so legt die Evolution bezogen auf den Menschen den Rückwärtsgang ein, weil der Mensch auf rationaler Ebene das Evolutionsprinzip nicht kennt und deshalb in seinem Verhalten auch nicht berücksichtigt.

nächstes Kapitel: Intuitive Darstellung des Evolutionsprinzips
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