1. Das Evolutionsprinzip aus Sicht der Evolution

Was die Lebewesen von der übrigen Materie unterscheidet, ist (neben der Wahrnehmung) ihr selbst-getriebenes Verhalten. Während das Verhalten der übrigen Materie lediglich durch äußerlich wirkende Kräfte beeinflusst wird, die aus der Wechselwirkung mit anderen Elementen entstehen, haben Lebewesen zusätzlich ein Verhalten, das "aus ihnen selbst heraus" entsteht. Ich bezeichne die Triebkraft dieses Verhaltens als den "individuellen Aktivitätsantrieb" (oder auch "individuellen AKtivitätsdrang") eines Lebewesens. Der individuelle Aktivitätsantrieb ist darauf ausgerichtet, bestimmte Energietransformationen und Zustände zu erreichen.

In dieser Darstellung stellt das Evolutionsprinzip einen Zusammenhang her zwischen dem individuellen Aktivitätsantrieb und dem materiellen Körper eines Lebewesens:

Man kann sich modellhaft folgenden Prozess vorstellen:

  1. Über den Aktivtätsantrieb tritt ein bestimmter Aktivitätsimpuls in das Lebewesen ein.
  2. Der Aktivitätsimpuls erfährt je nach Entwicklungsstufe des Lebewesens eine mehr oder weniger komplexe Verarbeitung.
  3. Der Aktivitätsimpuls wird in ein Verhalten umgesetzt.

Dieser Prozess stellt eine Art von Energiefluss durch das Lebewesen dar. Das Evolutionsprinzip besagt für dieses Modell nun folgendes:

Der Körper passt sich dem Energiefluss immer besser an.

Das bedeutet insbesondere, dass ein Verhalten, welches der Körper zunächst gar nicht oder nur unvollkommen umsetzen kann, im Laufe der Zeit durch wiederholte Versuche immer besser möglich wird. (Jeder Mensch kennt das aus eigener Erfahrung - aber es geht noch weiter.)

Die Anspassung des Körpers findet nicht nur auf der Ebene von Fähigkeiten statt, sondern sie umfasst, falls das nötig ist, auch die physische Struktur des Körpers. Das heißt, der Körper ändert sich in winzig kleinen Schritten auch in seinem Aufbau und seinen Funktionen, um ein angestrebtes Verhalten immer besser zu ermöglichen. Die Änderungen des Körpers werden in den Genen "mitgeschrieben" und so an die Folgegeneration weitervererbt, die dadurch mit der gleichen Entwicklung auf einem höheren Niveau fortfahren kann.

Der individuelle Aktivitätsantrieb ist der Antrieb der Evolution und nicht der Zufall!

Das heißt in anderen Worten, Evolution basiert darauf, mit dem Verhalten immer wieder ein Stück über die gegenwärtigen Möglichkeiten des Körpers hinauszugehen. Das ist bei allen Lebewesen außer dem Menschen auf ganz natürliche Weise gegeben, weil ihr individueller Aktivitätsdrang sie immer wieder dazu treibt - zum Beispiel bei sich verändernden Umweltbedingungen.

Beim Menschen ist das aber kaum noch der Fall, weil der individuelle Aktivitätsantrieb nicht mehr unmittelbar in Verhalten umgesetzt wird. Mit dem Verstand ist eine weitere Instanz im Prozess der Verarbeitung des Aktivitätsdrangs hinzugekommen und diese Instanz blockiert Verhaltensweisen, deren Erfolgsaussichten gering sind, weil sie das Evolutionsprinzip nicht kennt.

nächstes Kapitel: Das erweiterte Evolutionsprinzip
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