Gefühle

Gefühle bilden die grundlegende Ausdrucksform der nicht-rationalen Teile der Psyche. Sie transportieren nicht-rationale Informationen. Oberflächlich betrachtet handelt es sich um eine Ja-oder-Nein-Information: Positive Gefühle stellen eine Bejahung dar und negative Gefühle eine Verneinung. Darüber hinaus beinhalten Gefühle aber noch sehr viel mehr Information, die allerdings nur unzureichend rationalisierbar ist (in Worte gefasst werden kann).

Diese über das simple Ja oder Nein hinausgehende Information wird benötigt, um sich widersprechende Gefühle aus mehreren Bezugssystemen in einer Entscheidung gegeneinander abzuwägen. Zum Beispiel fühlt sich ein Gefühl, welches die Übereinstimmung eines Verhaltens mit der Weltsicht bewertet anders an als ein Gefühl, welches die Übereinstimmung eines Verhaltens mit der Realität bewertet. Um das unterscheiden zu können, müssen die Gefühle "im Fluss" sein und es benötigt einen gewissen Lernprozess, in dem man seine Gefühle kennen und unterscheiden lernt.

Gefühle stellen einen "Energiefluss" dar, der in seiner Charakteristik Ähnlichkeiten mit fließendem Wasser hat. Gefühle "kommen hoch". Das bedeutet, sie streben von irgendwoher auf die Psyche zu, um dort zu rational erfassbaren Informationen verarbeitet zu werden. Dazu kommt es im Zustand der rationalen Isolation allerdings meist nicht, weil die Gefühle sehr schnell blockiert werden, ähnlich einem Bach, den man aufstaut. Und genau wie ein Bach das mit nachfließendem Wasser tun würde, verstärken sich die Gefühle dann und üben Druck auf die Blockade aus.

Der Grund dafür, dass die Gefühle blockiert werden ist der, dass der Verstand im Zustand der rationalen Isolation mit widersprüchlichen Informationen aus unterschiedlichen Bezugssystemen nicht umgehen kann. Deshalb werden die Gefühle nahezu vollständig blockiert und Entscheidungen auf rein rationaler Basis getroffen. Gefühle werden nur dann zugelassen, wenn sie zur rationalen Weltsicht nicht im Widerspruch stehen. Das führt dazu, dass das Innere des Menschen zu einer Hölle verdrängter Gefühle wird. Sucht, Kompensation, Ablenkung und die lückenlose Bindung der Aufmerksamkeit durch Smartphones versuchen die Psyche vor der Wahrnehmung dieses inneren Gefühlschaos zu bewahren.

Die Blockade eines Gefühls ist immer falsch, selbst wenn man sich entscheidet der entsprechenden Information in seinem Verhalten nicht zu folgen, weil die Information des Gefühls dann nicht ausgewertet wird.

Normalerweise wäre es natürlich und entspricht auch der Natur der Gefühle, der Ja-Nein-Information eines starken Gefühls einfach vertrauensvoll zu folgen. Mit der Entwicklung des rationalen Verstandes und der einseitigen Dominanz rationaler Bezugssysteme kam es aber zu einer Entwicklung, bei der die Gefühle aus einer fehlerhaften Weltsicht stärker und überzeugender sind, als die Realitäts-basierten Gefühle der nicht-rationalen Teile der Psyche. Dieser zustand kann nur überwunden werden, indem man lernt, den irreführenden Gefühlen aus einer fehlerhaften Weltsicht nicht zu folgen, ohne sie aber dabei zu blockieren. Das führt in einem Entwicklungsprozess schließlich zu einer Umbewertung der Bezugssysteme: Die Realitäts-bezogenen Bezugssysteme müssen stärker gewichtet werden als die rein rationalen. In religiöser Terminologie entspricht eine solche Entwicklung der Überwindung des "Sündenfalls".

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