Verstand

Der rationale Verstand ist eine rein Informations-verarbeitende Instanz auf der Grundlage eines Regelsystems - der Weltsicht. Die Funktion des rationalen Verstandes ist einem Computer sehr ähnlich. Dabei ist der Verstand die Hardware und die Weltsicht die Software. Im Verbund mit einer Weltsicht bildet der Verstand das rationale Bezugssystem der Psyche. Theoretisch ist es möglich, dass der Verstand mehrere Weltsichten alternativ und simultan benutzt in Abhängigkeit von dem Teil der Realität, auf den er sich bezieht. Auf dem gegenwärtigen Stand der menschlichen Entwicklung bildet das aber eher die Ausnahme. Ein Beispiel wäre ein Wissenschaftler, der an Gott glaubt.

Der Verstand selbst bildet keine Informationsquelle - er verarbeitet Informationen lediglich, die aus diversen Informationsquellen (den verschiedenen Kanälen der Wahrnehmung) stammen. Die Informationen der äußeren Wahrnehmung sind dem rationalen Verstand direkt zugänglich. Gleiches gilt bei der inneren Wahrnehmung nur für einen kleinen Teil. Das Gros der Informationen aus der inneren Wahrnehmung muss für die Verarbeitung im Verstand erst durch die nicht-rationalen Teile der Psyche "übersetzt" werden. Dies geschieht im Zustand der rationalen Isolation aber nur äußerst rudimentär, da die nicht-rationalen Teile der Psyche in einem inaktiven Dämmerzustand vor sich hinvegetieren.

Das Regelsystem, welches der Verstand für seine Verhaltensentscheidungen nutzt - die Weltsicht - entsteht über zwei verschiedene Prozesse, einem eher bewussten Prozess und einem eher unbewussten Prozess:

  1. Der eher bewusste Prozess basiert auf der bewussten Untersuchung der den Menschen umgebenden Welt. Zu diesem Prozess gehört zum Beispiel die Wissenschaft aber auch meine über wissenschaftliche Ansätze hinausgehende Suche nach Antworten. Indem der Mensch das Verhalten der ihn umgebenden Welt besser versteht, kann er auch Rückschlüsse darauf ziehen, wie er sich in dieser Welt selbst verhalten muss. Probleme entstehen aus diesem ersten Prozess, wenn die Grundideen, welche die Herangehensweise an die Untersuchung der Welt bestimmen, für Teile der untersuchten Realität ungültig sind.
  2. Der zweite Prozess läuft eher unbewusst ab: Der rationale Verstand analysiert permanent das eigene Verhalten und versucht erfolgreiches Verhalten zu identifizieren. Wenn er ein erfolgreiches Verhalten erkannt hat, versucht er die Parameter dieses Verhalten zu erfassen, um das gleiche Verhalten in vergleichbaren Situation wieder anwenden zu können. Daraus bildet der Verstand die "Konzepte". Ein Konzept ordnet einer bestimmten Art von Situation ein bestimmtes Verhalten zu. Wird eine vergleichbare Situation erkannt, kommt das Konzept in Form des entsprechenden Verhaltens zur Anwendung. Auf diese Weise hat sich zum Beispiel das wissenschaftliche Vorgehen an sich herausgebildet. Probleme entstehen bei diesem zweiten Prozesses daraus, dass Verhaltensweisen konzeptionell gebildet werden, die eigentlich besser komplett spontan ablaufen sollten (Standard-Beispiel dafür: Sex!) und dass Konzepte auf Situationen ausgeweitet werden, für die sie nicht funktionieren (so geschehen mit dem wissenschaftlichen Erkenntnisansatz). Die Anwendung ungültiger Konzepte führt im Leben eines Menschen oder auch eines ganzen Volkes zu wachenden Problemen und Krisen, die erst gelöst werden, wenn die Konzepte erkannt und korrigiert oder aufgegeben werden.
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